BIOGRAFIE

Christopher Ainslie beeindruckt durch seine warme Stimme, sein ausgefeiltes musikalisches Können und fesselnde Bühnenpräsenz.

Ainslie versteht Gesang als Ganzkörpererlebnis, bei dem er Körper und Emotionen voll ausschöpft, um einen ansprechenden und zugleich authentischen Klang zu erzeugen. Seine Technik ist maßgeblich von den Prinzipien des Belcanto beeinflusst, sein Gesang geprägt von der freien Koloratur, bedachtem Phrasieren und höchster Perfektion.

Schauspielerisch nutzt Ainslie gerne die Gelegenheit, seine natürliche Sportlichkeit auszuschöpfen und besticht auf der Bühne voller Energie und packender Präsenz. Mit Feingefühl und Unmittelbarkeit verleiht er seinen Rollen Leidenschaft und Wahrhaftigkeit, die sich mit seinem Gesangstil vereinen.

Ainslie freut sich sehr, in dieser für Countertenöre so spannenden Zeit zu singen. An der Spitze der Bewegung beleuchtet er die technischen Möglichkeiten seines Stimmtyps und sieht die Countertenorstimme als dramatisch expressives Instrument, das stimmliche Anforderungen aller Genres, von Barock bis zu Zeitgenössischer Musik, vereint.

WERDEGANG

Gebürtig aus Kapstadt, wuchs Ainslie dort in einem musikalischen Zuhause auf. Er lernte Bratsche bei Jürgen Schwietering und Hermina de Groote, erhielt in der Schule Klavierunterricht und sang als Chorknabe im Knabenchor von St. George’s Cathedral unter dem Dirigat von Barry Smith in Kapstadt. Außerdem nahm er regelmäßig an Chorwochen teil, die sich der deutschen Kirchenmusik widmeten. Das Bewusstsein eines Instrumentalisten für gemeinsames Musizieren entwickelte Ainslie beim kammermusikalischen Musizieren zusammen mit seinen Brüdern und Freunden sowie bei Auftritten mit dem Nationalen Jugendorchester von Südafrika (South African National Youth Orchestra) bei zwei Festivals, darunter auch eine Tour nach Moskau.

Um seinen Chorgesang weiterzuentwickeln, nahm er Gesangsunterricht bei Sarita Stern an der Musikhochschule von Kapstadt (University of Cape Town College of Music). Er entwickelte seine Auffassung davon, wie die Stimme trainiert und der Körper genutzt wird, um den dramatischen Klang eines Opernsolisten zu schaffen.

An der Universität von Kapstadt studierte Ainslie Finanzen und begann seine Karriere als Wirtschaftsprüfer. Jedoch entschied er sich schließlich während seines Arbeitsaufenthalts in Großbritannien, seiner jahrelangen musikalischen Ausbildung nachzugehen und diese zu vertiefen. 2005 zog er nach London, um bei Mark Tucker am Royal College of Music zu studieren, wo er sein Studium mit Auszeichnung abschloss.

Christopher Ainslies Karriere verlief sehr rasch und seine Arbeit erhielt den Beifall der Kritiker sowie Anerkennung in seinem Bereich. 2007 gewann er beim Londoner Händel-Festival den Michael-Oliver-Preis beim Händel-Gesangswettbewerb, im darauffolgenden Jahr gewann Ainslie als erster Countertenor den Richard-Tauber-Wettbewerb in der Wigmore Hall in London. 2011 schließlich gewann er den Gianni Bergamo Countertenor-Wettbewerb in der Schweiz.

Christopher Ainslie gilt inzwischen als einer der führenden Interpreten seines Repertoires und hat einen spannungsreichen Konzertplan, der Oratorien, Opern sowie Lieder- und Soloabende umfasst.

AUFTRITTE

Ainslie betrachtete Gesang erst als seinen Beruf, nachdem er die zwei Alt-Soli in Bachs Matthäus Passion mit den Chorknaben St. George’s Singers in Kapstadt aufgeführt hatte.

Seither spielt dieses Werk, wie auch Bachs andere große Oratorien, eine zentrale Rolle in seinem Leben als Sänger. Bachs Musik hat ihn international auftreten lassen, unter anderem mit dem Weihnachtsoratorium gemeinsam mit Vladimir Jurowski in Moskau, mit Alt-Kantaten gemeinsam mit Les Passions de l’Ame in der Schweiz und in Belgien, mit der Matthäus-Passion anlässlich des Londoner Händel-Festivals mit Laurence Cummings, mit dem Magnificat in der Londoner Wigmore Hall zusammen mit Retrospect und Matthew Halls, mit dem Oster-Oratorium zusammen mit den St. George’s Singers in Kapstadt, mit der h-Moll-Messe mit Tenet in New York City sowie mit Kantaten gemeinsam mit der Internationale Bachakademie Stuttgart.

Ebenfalls zentral in Ainslies Repertoire sind Händels dramatische Oratorien, in denen er mit Hingabe Liebende und Helden wie David in Saul, Didymus in Theodora, Hamor in Jephtha, Cyrus und Daniel in Belshazzar, Micah in Samson, Hercules in Die Wahl des Herakles, Solomon in Solomon, den Israeliten in Judas Maccabaeus verkörperte. Regelmäßig tritt Ainslie mit Händels Messias auf und jedes Jahr bietet wieder neue Möglichkeiten, um diese reiche Rolle neu zu entdecken. Zu den Höhepunkten gehören Vorstellungen und Konzerte mit dem Philadelphia Orchestra, anlässlich des Londoner Händel Festivals, in St.Thomas Church in New York City, mit dem Houston Symphony Orchestra, der Classical Opera in Wigmore Hall, dem Bournemouth Symphony Orchestra, und der Northern Sinfonia.

Ainslie ist auch als Kammermusiker erfolgreich. Dabei tritt er bei Liederabenden mit Barockorchester, Klavier oder Laute auf.

Er ist Gründungsmitglied des Gesangsensembles Songsmiths und hat in jüngster Zeit eine Zusammenarbeit mit dem Lautenspieler Matthew Wadsworth und Gitarristen Peter Narun aufgebaut. Er schätzt diese neuen Möglichkeiten und nutzt sie für die Darbietung von Liedern aus der Romantik und Gegenwart, wie auch für traditionelles Countertenor-Repertoire. Bei Lieder- und Solabenden trat Ainslie in der Londoner Wigmor Hall zusammen mit Les Arts Florissants, Arcangelo, Les Passion de l’Ame, und The English Concert auf.

Ainslie hat im Bereich Oper die ganze Bandbreite gesungen, begonnen bei den Wurzeln der Oper in der Renaissance als Ottone in Monteverdis l’Incoronazione di Poppea (Glyndebourne und Drottningholm Palace Theatre), bis hin zu modernen Weltpremieren der zeitgenössischen Komposition, darunter die Rolle des Theseus/Messenger in Julian Andersons Thebans (English National Opera), Antonio in Andre Tchaikowskys Der Kaufmann von Venedig (Bregenzer Festspiele), and Innocent 4 in Harrison Birtwistles The Minotaur (Royal Opera House).

Christopher Ainslie hat begeistert Titelrollen in einigen wiederentdeckten Opern aus dem 18. Jahrhundert gesungen. Dazu gehören unter anderem moderne Londoner Premieren von Arnes Artaxerxes im Linbury Theatre des Royal Opera House, von Händels Poro anlässlich des London Händel Festivals sowie die Nordamerika-Premiere von Händels Amadigi mit der Central City Opera in Colorado.

Zu seinen weiteren Opernauftritten zählen Unulfo in Rodelinda und Helicon in Caligula an der English National Opera, die Titelrolle in Eliogabalo mit der Gotham Chamber Opera in New York, Oberon in Ein Sommernachtstraum und die Rolle des Apollo in Tod in Venedig an der Opera North, Eustazio in Rinaldo in Glyndebourne, die Titelrolle in Tamerlano beim Göttingen Festival, die Rolle des Apollo in Tod in Venedig an der Opera de Lyon, Arsace in Partenope beim Festival Les Azuriales, Ruggiero in Alcina mit der Lettischen Nationaloper und Medoro in Orlando mit der Independent Opera.

METHODE

Von Barock bis hin zur zeitgenössischen Musik – Christopher Ainslie sucht eine Zusammenarbeit, die bestrebt ist, Musik in ihrer höchsten Form auf der Bühne darzubieten. Ihn fasziniert der Möglichkeitssinn in der Barockmusik, wenn alle Künstler, im gleichen Atem gleichermaßen verantwortlich sind für den pulsierenden Ausdruck der Musik. Als Bühnenkünstler sieht er den Reiz sowohl im gemeinschaftlichen Prozess, die Psychologie eines Charakters während der Proben zu erschaffen, als auch im Erlebnis der Live-Darbietung.

Ainslie arbeitet weiterhin mit Mark Tucker zusammen und hatte außerdem Unterricht bei Paul Farrington und Ryland Davies. Er hat Meisterkurse bei Michael Chance, Peter Harvey, Ashley Stafford und Sarah Walker besucht.

Er macht Bewegungstraining, um seine Gesangstechnik zu erden und körperliche Expressivität zu steigern. Er besitzt eine natürliche Sportlichkeit und mag, abgesehen von seinem Training in Yoga, Alexander-Technik sowie Feldenkrais, auch Surfen, Snowboarden, Klettern, Barfußlaufen und schlägt bisweilen auch einmal ein Rad auf der Bühne.

Privat hat Ainslie außerdem eine Leidenschaft für Keramik und Töpferei, Schreinern, Meditation; er grillt gerne am offenen Feuer und lernt Gitarre spielen.

AUFTRITTE IN DIESER SAISON

In dieser Saison kehrt Ainslie wieder an die Opera North für die Inszenierung von Die Krönung der Poppea zurück, sowie auch an die Oper von Lyon, wo er die Rolle des Orfeo in Glucks Orpheus und Eurydike singt. Im Januar 2015 wird er mit einem Soloabend in Wigmore Hall mit englischen und deutschen Liedern zu hören sein, darunter Lieder für Stimme und Bratsche von Brahms sowie ‘Songs of Travel’ von Vaughan Williams.

Christopher Ainslie ist besonders dankbar für die Unterstützung seitens der Independent Opera, des Richard Carne Trust und der Classical Opera in den ersten Jahren seiner Karriere.